Halkett-Boot

Ein Halkett-Boot war ein leichtes Schlauchboot, dass von dem britischen Offizier Peter Halkett nur kurz nach der Entdeckung der Vulkanisierung durch Goodyear entwickelt und auch gebaut wurde. Erstmals im Wasser lag das Halkett-Boot dann wohl 1844, eine erster Tripp ging über die Themse.
Halkett Boot in Gebrauch

Halkett interessierte sich für die Schwierigkeiten, in der kanadischen Arktis zu reisen. Diese war Mitte des 19. Jahrhunderts noch nicht vollständig erforscht, auch die vollständige Erkundung bzw. Durchfahrt der Nordwestpassage, dem etwa 5780 Kilometer langen Seeweg zwischen Atlantik und Pazifik nördlich des amerikanischen Kontinents stand noch aus.

Weiße Flecken auf den Landkarten im 19. Jahrhundert

Mitte des 19. Jahrhunderts war man noch dabei, die Arktis zu erkunden, und stand dabei vor der Schwierigkeit, dass man dabei durchaus auch Boote benötigte, aber es eben schwierig war, diese über die festen Strecken hinweg zu transportieren. Es mussten also Boote her, die leicht genug waren, um sie auch längere Strecken über Land zu transportieren. Sie mussten aber auch robust genug sein, um den schwierigen bzw. extremen Wetterbedingungen im hohen Norden gewachsen zu sein.

Als Charles Goodyear im Jahr 1838 die Stabilisierung von Gummi durch Vulkanisierung gelang, sah Halkett wohl die Chance für die Konstruktion eines leichten und dabei doch stabilen Bootes gekommen. Ein Vorläufer unserer heutigen Schlauchboote.

Erster Entwurf Halkett-Boot

Der erste Entwurf von Peter Halkett war ein zusammenklappbares und aufblasbares Boot aus Gummi-imprägniertem Tuch. Dabei konnte der Rumpf des Bootes auch als Umhang getragen werden, es ließ sich also sehr leicht transportieren. Aus dem Ruder wurde dann bei Nichtnutzung als Boot ein Spazierstock und das Segel zum Regenschirm.
Diesem Einmann-Halkett-Boot folgte dann ein Zwei-Mann-Boot. Dieses war zwar nicht mehr als Kleidungsstück zu nutzen, es war aber klein und leicht genug, um in einen Rucksack zu passen. Entleert diente es dann immer noch als wasserdichte Decke.
Halkett Boot Konstruktionszeichnung

Die Erfindung des Halkett-Boots wurde insbesondere von den kanadischen Entdeckern sehr gelobt. Der Markt blieb aber zu klein, als dass sich das Boot hätte durchsetzen können oder es seinem Erfinder einen finanziellen Erfolg bringen, denn Peter Halkett gelang es nicht, die britische Marine von seiner Konstruktion zu überzeugen. Es gab zwar Versuche, dass Halkett-Boot für den Einsatz beim Fischen und Entenschießen zu vermarkten, aber es blieb dabei, das erste Schlauchboot in der Geschichte war kommerziell ein Flop.

Heute sind nur zwei dieser ersten Schlauchboote bekannt. Das eine, das den Orcadian-Entdecker John Rae gehörte und eins, dass im Besitz der Hudson’s Bay Company gewesen war. Dieses Boot steht heute im Manitoba Museum of Man and nature (Winnipeg, Manitoba, Kanada). Das von John Rae im Stromness Museum in Orkney.

John Halkett

Halkett war ab den 1840er Jahren ein Leutnant der britischen Royal Navy. Sein Vater war John Halkett, einem Direktor der Hudson’s Bay Company gewesen. Mit der Erkundung Kanadas kannte sich Peter Halkett also aus. Und so hatte er auch lange ein großes Interesse an der Erkundung der Kanadischen Arktis. An der fehlgeschlagenen Coppermine Expedition von 1819-1822 von John Franklin hatte er zwar nicht teilgenommen, er hatte aber großes Interesse an der Katastrophe gezeigt. Die Coppermine Expediton war auf der Suche nach der Nordwestpassage gewesen, sie endete in einem Desaster, elf der 20 Expeditionsteilnehmer starben, es war zu Kannabalismus gekommen. Zum katastrophalen Ausgang dieser Erkundung war es wohl auch gekommen, als die Expedition auf der falschen Seite des Coppermin River gstrandet war und ihre Boote vom Sturm zerstört. Nur mit Hilfe eine improvisierten Kanuas aus Leinwand und Weide war es den überlebenden Teilnehmern dieser Erkundung gelungen die Flussseite zu wechseln.
Halkett Boot für zwei Insassen

Katastrophale Coppermine-Expedtion regt Erfindung des Bootes an

Von dieser Expedition war wohl der Erfindergeist von John Halkett angeregt worden. Er erfand das Boot in seiner Freizeit als Marineoffizier. Er wollte ein Boot, das klein und leicht genug war, um es zu Fuß durch die Wildnis zu transportieren und robust genug, um Menschen zu tragen.

Der erste Prototyp des Halkett-Boots kam im Jahr 1844 zum Einsatz. Halkett testete es erfolgreich auf der Themse und paddelte damit 15 Kilometer über das Wasser.
John Richardson, Teilnehmer der Coppermin Expedtion von 1819 bis 1822 schreibt danach: Hätten wir ein solches Boot bei der ersten Expedition gehabt, ich habe wenig Zweifel daran, dass alle überlebt hätten.

2 Gedanken zu „Halkett-Boot“

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